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[Frank, Michael Erich=] Melisso,
Des glückseeligen Ritters Adelphico Lebens- und Glücks-Fälle (Christian-Erlang [Erlangen]: Lorberischer Buchladen, 1715).
line by Olaf Simons

[Michael Erich Frank =] Melissus, Des glückseeligen Ritters Adelphico Lebens- und Glücks-Fälle (Christian-Erlang [Erlangen]: Lorberischer Buchladen, 1715).

Des| glückseeligen Ritters| ADELPHICO| Lebens-|und| Glücks-Fälle/| In einem| Liebes-Roman| Der| Galanten Welt| vorgestellet/| von| Melisso.| [publisher's signet]| [rule]| Christian-Erlang/| Zu finden in dem Lorberischen Buchladen/ 1715.

Description

frontispiece [polit gekleideter Jugendlicher auf Ball mit Flügeln, aus zwei Wolken reichen ihm die Liebe und die Tugend einen Arm entgegen, letzterer kommt von oben und ihm gilt der Blick des Helden. Unterschrift: "Die Tugend hat den Preiß| sie überwiegt die Liebe| drum Sterblicher verlaß des| Amors schnöde Triebe"]/ title page/ [4] pp. dedication: Amalie Catharine von Lentersheim; dat.: Altdorf, 1.10.1715; signed: Melisso/ p.1-152/ [2] pp. Schlüssel/ 8.

Shelf-markslink

{12: P.o.germ.809} {24:}.

Bibliographical Reference

Weber/ Mithal (1983), p.187. - G. Dünnhaupt (1990-93), p.1556: 2.

Author

Nach J. Erhard und A. Haslinger (1973): Frank, Michael Erich (1691-1721).

History of Publication

Die Widmung datiert vom 1.10.1715 - d.h. nach der Fleurielink, deren Widmung auf den 30.1.1715 datiert ist. Vorgeblich ist der Adelphico jedoch das erste Werk des Autors.

Self-classification

Title: "Liebes-Roman".

Remarks

Herbert Singer hatte das Buch 1963, ohne näher auf es einzugehen, als Perle der Gattung identifiziert, die er im Komödienroman des Frührokoko oder kurz im "galanten Roman" zu erfassen suchte. J. Erhard und A. Haslinger erstaunten darum 1973 ein wenig, da sie feststellen mußten, daß das Werk weniger den an Helidor geschulten Barockroman in Richtung "galanter Roman" trivialisierte, als vielmehr sich als Schlüsselroman entpuppte, der in seinen inhaltlichen Fügungen tatsächlichen Ereignissen Rechnung trug.

Eigentlich hätte der Befund nicht erstaunen dürfen - Bücher von Autoren mit "griechischen Namen" wie Menantes, Celander, Sarcander und Adamantes sind in aller Regel Schlüsselromane aus dem nächsten Umfeld- zudem kam das Buch mit einem Schlüssel auf den Markt (Adelphico wird in ihm als Herr von Auer benebst Gattin, Sohn und Töchtern identifiziert - der Autor weiß sich der Familie, so die Vorrede, als wiederholter Gast verpflichtet) - und hier liegen eher die Besonderheiten: Der reguläre Schlüsselroman von privaten Materien ist skandalös, er enthält dem Leser den Schlüssel vor (und schützt damit den Autor wie die Betroffenen), und er erscheint nicht in Erlangen, wo der Autor kaum auf Anonymität hoffen kann.

Der glückseelige Ritter Adelphico ist tatsächlich, was allerdings rar ist, ein panegyerischer Schlüsselroman im privaten Ambiente. Der Autor schreibt, um einen Freund einen Dienst zu erweisen. Erwartet der Leser skandalöse Offenbarungen, so enthält er im Gegenteil eine Glorifikation eines privaten Individuums. Melisso selbst bereute die Prostitution, der er sich mit dieser Nutzung Genres schuldig machte, in seiner Vorrede zur Fleurielink - er habe das Geld benötigt, das ihm die Arbeit eintrug - die von Auers scheinen für den Roman gezahlt zu haben. - Man wird sich mithin primär fragen müssen, wie der Dienst aussah, den Melisso ihnen leistete. Es sieht unter dieser Fragestellung viel danach aus, als habe dem jungen Herren der Ruf zweier Liebschaften nachgehangen, die er nicht zu einer Ehe führte. Verletzte er der Damen Ehre? Der Roman beweist das Gegenteil und sichert den Ruf des Helden gegenüber Klagen der (geschädigten) Damen.

Ort der Handlung ist Altdorf und Umgebung. Adelphico erwidert nicht sehr die Liebe Amoenens, der Tochter einer befreundeten Familie, mit der auch ein zweites Bündnis zwischen Adelphicos Schwester und Amoenens Bruder ansteht. Komplikation: Rittmeister Feraldo wirbt um Amoene. Lösung nach Traumvision: Amoene wechselt zu Feraldo, Adelphico findt es gut, sie ist jedoch zornig, daß er es so leicht nimmt, er aber will erst studieren. Statterie verliebt sich in Adelphico, noch immer liebt der die Bücher und diskuriert p.56-68 über Cantaten und für und wider die Liebe. Wieder gibt er ein wenig nach, um die Schöne nicht zu sehr leiden zu lassen, erst mit Irenie meint er es ernst, und hier ist er es, der alles richtig in die Wege leitet, wenn er auch noch zwei Jahre Aufschub für sein Studium sich ausbedingt. Hochzeiten und Binnendatierung durch Gratulations-Carmen: 6.11.1712. Feste und gesellschaftliche Begegnungen der Landadligen als geschichtswürdige Momente. Autorität der Eltern; der Wert der Jungen ist gerade auch der Wert der Elternhäuser, deren Stammhalter sie sind und werden.

Stilistisch weder elegant noch skrupellos im Umgang mit den Protagonisten. Ungelenke Überleitungen. Charakterschilderungen unter der Pflicht, den Beschriebenen stets vollständig in seinen Tugenden abzumalen. Dialoge ohne Angriff und intrigante Verstellung, stattdessen: angemessene Schmeicheleien, Neckereien wohlerzogener Jugendlicher.

Literature

Herbert Singer, Der deutsche Roman zwischen Barock und Rokoko (Köln/ Graz, 1963).

J. Erhard/ A. Haslinger, "Wer ist Melisso, der Autor des Adelphico", in G. Hoffmeister (ed.), Europäische Tradition und deutscher Literaturbarock (Bern/ München, 1973). 449-465.

Olaf Simons, Marteaus Europa oder Der Roman, bevor er Literatur wurde: Eine Untersuchung des deutschen und englischen Buchangebots der Jahre 1710 bis 1720 (Amsterdam/ Atlanta: 2001), p.324-325.