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Marquis von ...,
Der spanische, teutsche, und niederländische Krieg oder: des Marquis von ... curieuser Lebens-Lauff, 1-2 (Franckfurt/ Leipzig, 1720).
line by Olaf Simons

Der spanische, teutsche, und niederländische Krieg oder: des Marquis von ... curieuser Lebens-Lauff, 1-2 (Franckfurt/ Leipzig, 1720).

Der| Spanische/ Teutsche/| und| Niederländische Krieg| Oder:| Des Marquis von ... curieuser Lebens-Lauff.| Worinnen/ weilen der Autor selbsten in ansehnlichen Fran-|zösischen Diensten vormalen gestanden, nicht allein das merckwürdigste, so| sich in jüngst-verwichenen Kriege von Anfang biß zum Ende| zugetragen, vollkommen enthalten:| Sondern auch| Noch gantz besondere, und bishero unbekant gewesene Begebenheiten,| Intriquen, und seltzame Streiche, die dem Autori theils selbsten, theils aber| anderen vornehmen Personen zugestossen/ angeführet werden.| Alles mit unpartheyischer und auffrichtiger Feder entworffen/ mit verschie-|denen schönen Kupffern geziert/ und der curieusen Welt zum| Vergnügen ausgefertiget.| Erster Theil.| [rule]| Zu finden auf dem Franckfurter und Leipziger Messen. A. 1720.

Description

[2 pts. sep. pag., 13 plates (the one referring to vol. 1, p.381 with German inscription] vol. 1: large frontispiece [vor Kanone und Fahnen: Feldherr - zur Linken: Kriegsgöttin, Zeitungen ausstreuender Satyr und Puttengruppe mit Portrait eines Alten; zur Rechten, finster-komisch blickend mit Fratze auf der Schulter: Merkur. Im Hintergrund: Schlacht]/ black and red large titlepage/ [4] pp. preface/ p.1-416./ index/ vol. 2: p.1-315/ [5] pp. index [only for letters A-G]/ 8.

Shelf-markslink

{private:}.

History of Publication

Cf. La guerre d'Espagne (Cologne, Pierre Marteau, 1707).link

Self-classification

1: fol. 1v: "geheime Historie"; 1: p.2: "Beschreibung als ein Tag-Buch meines Lebens"; 1: p.77: "Memoires"; 2: p.269-70: "meine Schrifften".

Remarks

1. Pers. Sg., Memoiren - schwer einzuordnen zwischen zwischen Historie und romanhafter Darbietung des Erlebten. Idiomatisch reiches (Süd-)Deutsch. Erzählung von Geburt an und über Erziehung und leichtsinniges Leben zu Paris, über zahlreiche diplomatische und militärische Missionen ab 1688 Campagne für Campagne bis 1707. Mitunter spannende Hintergründe politischer Schachzüge. In die Chronologie der Ereignisse, bei der die persönliche Erlebnislage bei Einrückung von Dokumenten nicht durchweg eine Rolle spielt, sind diverse Geschichten eingestreut - vornehmlich Liebesgeschichten eigener und fremder Erfahrung, zudem diverse Reisebeobachtungen. Viele zynische Bemerkungen zur Machtausübung der europäischen Regierungen, insbesondere Ludwigs XIV. Durchgehend eine besondere Freude an gelungenen Betrügereien - ob selber ausgeübt oder von anderen verübt und nur beobachtet. Attacken gegen jeden Aber- und Gespensterglauben. Wiederholtes Lachen über "Thorheiten" i.e. Liebesbekundungen, vergangene Gefühle. Durchgängig ein Abstand von heftiger Liebe zugunsten einer freien, eifersuchtslosen jedoch geschickt und humorvoll gehandhabten Maitressenwirtschaft. Keine Feststellung von Persönlichkeits-Entwicklungen, allenfalls pflegt stets jene zu Belustigung Anlaß gebende Distanz einzutreten mit der Bekundung, daß er, der Erzähler, aus diesem und jenem Fehler gewitzter hervorging.

Literature

Olaf Simons, Marteaus Europa oder Der Roman, bevor er Literatur wurde. Eine Untersuchung des deutschen und englischen Buchangebots der Jahre 1710-1720 (Amsterdam: Rodopi, 2001), p.617-635.

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Teil 2, p.120 ff. Schlacht bei Schellenberg.

 

Als die Alliirten Generalen sahen, daß der Churfürst, um sie anzuhalten, sich in ein solches Lager gezogen, wo es möglich war, ihm zu forciren, hielte der Hertzog von Marlborough, wieder die Meinung etlicher Kayserl. Generalen, die nichts wagen wolten, davor, daß man gegen Donauwerth marchiren solte, um sich den Eingang in Bayern zu öffnen; und würcklich, dieser Vorschlag war der einige, den man ergreiffen kunte, und gabe Mylord Duc bey dessen Ausführung zu erkennen, daß er ein tapfferer kluger General seye. Inzwischen war der Posten auf den Schellenberg wohl verretranchementirt, und mit einen ansehn|<121>lichen Corpo besetzt, welches der Graff von Arco commandirte. Der Churfürst, bey dem ich bis zu der Zurückkunft des Marchallen von Tallard geblieben, ersuchte mich, den Graffen von Arco an Handen zu gehen. Ich konte Se. Durchl. diese Gefälligkeit nicht abschlagen, und machte ich mir eine Freude davon, dero Befehl zu gehorchen: als ich mich nach diesen Posto verfügt, so muß ich sagen, daß wir tapffer angegriffen, und ohngeachtet unseres gleichfals tapfferen Widerstands, endlich genöthiget worden, den feindlichen Truppen zu weichen. Eine ausführliche Beschreibung dieser Attaque zu machen, welche das Vorspiel des Unglücks gewesen, so denen Waffen des Churfürsten auf den Fuß nachgefolget, wird es nicht undienlich seyn, wann ich den Brieff des Hertzogs von Marlborough an die Herren General-Staaten hier anfüge.

 
 
Großmögende Herren

 
ALs wir am Dienstag bey unserer Ankunfft zu Onderingen, erfahren, daß der Churfürst aus Bayern, den besten Theil seiner Infanterie, abgeschickt hatte, den Posten auf den Schellenberg, allwo er schon einige Tage her, an den Retrenchementern arbeiten lassen zu verstärcken; habe ich mich entschlossen, selbgen anzugreiffen; ich trate dahero gestern um drey Uhr in der Fruhe nur einen Detachement von sechzig tausend|<122>Mann Infanterie und 30. Escadronen von unseren Truppen nebst noch 3. Bataillonen Kayserl. Granadirer, die der Marggraff von Baden hergegeben, den March an, worauf die gantze Armee uns nachfolgte. Allein, weilen der Weg sehr lang, und bös war, konten wir bey dem Fluß Wernitz nicht ehe, als gegen den Mittag angelangen, und war es schon 3. Uhr, bis wir die Brucken geschlagen, unser Truppen, und Canonen überzusetzen; also das, nachdem alle Anstalten gemacht, wir den Angrieff um 6. Uhr Abends thaten; er dauerte eine gute Stunde, und wehrten sich die Feinde, die sich wohl verschantzt hatten verzweiffelt: doch wurden sie endlich genöthiget der Tapfferkeit unserer Truppen zu weichen, und Gott gab uns einen völligen Siege. Wir bekamen 15 Stücke, ihre Zelte, und Bagage, der Graff von Arco, so darinn commandirte, und die andere Generalen, musten sich mit schwimmen über die Donau auf die andere Seite retten. Ew. Hochmögend, gratulire ich von Hertzen, wegen diesen so glücklichen Anfang, von den, wie ich hoffe, wir mit der Gnade GOttes, grossen Vortheil ziehen werden.

Wir haben dabey viel prave Officiers verlohren, und kan ich nicht genugsam den armen M. Gvor, und M. Beinhelm, die in der Action geblieben, betauren. Der Printz Louis von Baden, u. der General Thüringen sind, wie wol nicht tödtl. blessirt. Der Graf von Styrum|<123> ist durch den Leib geschossen worden, man hofft aber, daß er davon wird kommen, der Erb-Printz von Hessen-Cassel, der Graf von Horn, und der General Major Wood, wie auch der Baraon Pallant sind gleichfalls blessirt. Eine genauere Nachricht kan ich dermahlen Ew. Hochmögenden nicht geben, werde aber nicht ermangeln solche mit nechster Gelegenheit zu überschicken.

Ein wenig vor Anfang der Attaque, gab mir der Baron von Moltenberg des Printzen Eugenii General Adjutant, in Namen Se. Durchl. zu verstehen, daß die Marschalln von Villeroi und Tallard gegen Strasburg marchirt wären, und dem Churfürsten aus Bayern, einen grossen Succurs über den Schwartzwald zuschicken, versprochen hätten, so habe ich auch sonsten vernommen, daß sie dazu ein Corps von 50. Bataillonen, und 60. Escadronen ihrer besten Truppen bestimmt. &c.

 
Aus dem Lager bey Obermergen
    den 3. Jul. 1703.

Duc de Marlborough.

 

P.S.

Das Detachement wurde von 15 Bataillonen auf der Lincken, und mit eben so viel auf der Rechten unterstützt.

 

Ich will dieser Relation nichts weiters beysetzen, als daß ich niemahlen ein blutigeres Ge-|<124>fecht, und einen Siege so mehreres disputirt worden, gesehen, in den Treffen bey Eckern hatte ich die Holländer, und hier die Engelländer kennen lernen, die nicht wie die Menschen, sondern wie die Teuffel anlieffen. Inzwischen litten die Truppen dieser beyden Nationen ungemein sehr, bis die Kayserliche, so der Printz Louis von Baden commandirte, uns gleichfalls angrieffen; wir wurden sodann von allen Seiten umgeben, und endlich gezwungen, uns mit Schwimmen über die Donau zu salviren. Wobey es dann ein Glück vor mich war, daß ich in meiner Jugend schwimmen gelernt, welches mir damals das Leben gerettet, und mich denen Händen der Engelländer entzogen, die niemand Quartir gaben, wie zweyen Regimentern Dragoner von den Unsrigen widerfahren, welche über die Klinge springen musten.

Als der Graff von Arco, ich und etliche andere Officiers in den Lager bey Launigen ankommen traffen wir den Churfürsten über den Verlust dieses vortheilhafftigen Posten, welcher ein Vorbott des darauff folgenden noch viel grösseren Unglücks war, fast untröstlich an, bis hierher schiene dieser Fürst allzeit lustig, und eines sehr aufgeraumeten Gemüths zu seyn, und war er allzeit der Erste, so seine Truppen anfrischte. Allein, da er sich zu Launigen und Dillingen nicht mehr sicher wuste, brache er auf; und liesse seine Armee unter die Canonen vor Augsburg rucken: die Garnisionen zu Donauwerth hatte Befehl, den Ort, und die Magazins anzuzünden, und zu ihn zu|<126> stossen, es lieffen aber die siegreichen Völcker herbey, löschten das Feuer aus, und erretteten die Magazins. Die Alliirten Generalen, welche nach diesen glücklichen Streich, wieder Hoffnung bekamen, und sich noch mit fernern Progressen schmeichelten, machten ein Detachement, sich des Paß bey Velden über den Lech zu bemächtigen, worauf ihre Armee Doanuwehrt verließ, und sich zwischen Velden und Gendervin setzte, allwo man schlüssig wurde, die Stadt Rain zu attaquiren, um sich eine Oeffnug in Bayern zu machen; so hatte der Graf von Fugger, Ordre, mit einem Detachement das Schloß Dillingen zu berennen, und solches zur Übergab zu zwingen, und darauf Retranchementer, allwo des Churfürsten Armee campirt, zu schleiffen. Beyde Anschläge wurden ohne grossen Widerstand ins Werck gesetzt: die Stadt Rain capitulirte, und die Garnision in den Schloß Dillingen, ergab sich auf Discretion.

 

 

Teil 2, p.238 Striptease: